Dieses Jahr organisierte solidar gemeinsam mit dem ÖGB und dem Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) anlässlich des Welttags für Menschenwürdige Arbeit darauf aufmerksam, wie wichtig gute Jobs sind. In Wien setzten sich dieses Jahr rund 100 Gewerkschafter:innen aus vielen EU-Ländern am Stephansplatz auf Einladung des ÖGB und solidars für mehr Bewusstsein über die Notwendigkeit menschenwürdiger Arbeit ein.

Arbeitnehmer:innen sind immer die ersten Opfer von Krisen

„Der Handlungsbedarf ist auch in Europa groß“, erklärt Isabelle Ourny, Internationale Sekretärin des ÖGB: „Klimakrise, Künstliche Intelligenz, Kriege in Nachbarländern – die Herausforderungen sind enorm, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind immer die ersten, die Konsequenzen spüren.“ Sie verlieren ihre Jobs, ihre Qualifikationen sind angesichts der Veränderungen nichts mehr wert, sie kämpfen mit den steigenden Kosten für Lebensmittel, Energie oder Wohnen.

Die Politik kann natürlich entgegenwirken, so Ourny: „Sichere Arbeitsplätze, ein Schwerpunkt auf Qualifikation und der Kampf gegen die Inflation müssen auf der Agenda ganz oben stehen.“ Zwar hat die EU-Kommission angekündigt, in einer „Quality Jobs Roadmap“ bis zum Jahresende Maßnahmen für gute Arbeitsplätze auszuarbeiten – aktuell werde jedoch vor allem über Deregulierung gesprochen, kritisiert die Internationale Sekretärin des ÖGB: „Das geht in die falsche Richtung, Deregulierung geht immer Hand in Hand mit dem Abbau der Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.“

Nichts tun schadet auch der Wirtschaft

„Die aktuelle Situation bringt Millionen von Menschen in Not und schadet der europäischen Wirtschaft in einem entscheidenden Moment, weil sie sie zu Arbeitskräftemangel führt“, sagt auch Tea Jarc, stv. Generalsekretärin des EGB (Europäischer Gewerkschaftsbund) bei der Aktion in Wien: „Wir fordern die Kommission auf, sich für die arbeitende Bevölkerung einzusetzen.“

Es geht auch um Demokratie

Europa könne sich keine weitere Welle der Deregulierung und Sparpolitik leisten. Die Abschaffung von Arbeitnehmerschutzmaßnahmen im Namen der Wettbewerbsfähigkeit ist eine Sackgasse. „Das schwächt unsere sozialen Grundlagen, es schürt Ungleichheit und untergräbt das Vertrauen in die Demokratie“, appellieren Ourny und Jarc: „Die EU muss aufhören, Rechte abzubauen und stattdessen ihr Versprechen von menschenwürdiger, sicherer und fairer Arbeit für alle einlösen. Die Gewerkschaften Europas kämpfen für hochwertige Arbeitsplätze!“

 Isabelle Ourny, Internationale Sekretärin des ÖGB, erklärt, warum der Kampf für Menschenwürdige Arbeit auch in Europa so wichtig ist.