
Diskussion mit Fernando Jaramillo, Koordinator von Mesa Ambiental de Jerico und Jakob Rammer, Universität Wien
Moderation: Julia Sachseder, Universität Wien
10.06.2026, 18:00 h | Lateinamerika-Institut, Frida Kahlo Saal

Im Südwesten von Antioquia verteidigt eine Bewegung aus Kleinbäuerinnen, Umweltaktivistinnen und Student*innen seit nun 17 Jahren ihr Land gegen ein Mega-Bergbauprojekt. Obwohl die Profitinteressen des transnationalen Bergbauunternehmens AngloGold Ashanti von regionalen und nationalen Eliten unterstützt werden, bleibt die Bewegung bisher erfolgreich. Im Rahmen des Besuchs von Fernando Jaramillo, einem Koordinator der Bewegung, werden wir die Geschichte dieses Konflikts sowie den politischen und wirtschaftlichen Kontext in Kolumbien beleuchten: die Expansion der Rohstoffindustrie in Kolumbien, die Verteidigung von Land, Wasser und traditionell kleinbäuerlichen Lebensweise sowie die Umkämpftheit der Rohstoffpolitik auf nationaler und internationaler Ebene. Dabei nehmen wir auch die Zukunft des Konflikts in den Blick: Obwohl sich die Lage unter der Regierung Petro zugunsten der Widerstandsbewegung verbessert hat, hängt die Zukunft dieses Konflikts sowie vieler anderer von den Präsidentschaftswahlen 2026 ab. Im Zuge dieser Veranstaltung wollen wir eine Debatte über die Auswirkungen des Rohstoffbooms und der damit verbundenen extraktivistischen Expansion im Globalen Süden anstoßen, sowie über die Formen des Widerstands und den potenziellen Handlungsspielräumen sowohl im Globalen Süden als auch im Globalen Norden.
Fernando Jaramillo ist ein kolumbianischer Aktivist und Koordinator der lokalen Umweltorganisation „Mesa Ambiental“ in Jericó, Antioquia. Gemeinsam mit Kleinbauern (Campesinos) aus Palocabildo und lokalen Aktivisten führt die Gruppe eine Widerstandsbewegung gegen ein groß angelegtes Kupfer- und Goldbergbauprojekt an, das der transnationale Konzern AngloGoldAshanti in der Region errichten will. Das Projekt bedroht lokale Ökosysteme, den Zugang zu Wasser und die traditionelle Lebensweise, doch die Umsetzung wird seit 17 Jahren von der Bewegung verhindert.
Jakob Rammer hat einen Master in Entwicklungsstudien und ist derzeit Doktorand am Institut für Entwicklungsstudien der Universität Wien. Er forscht zu sozial-ökologischen Transformationskonflikten mit Schwerpunkt auf Lateinamerika und stützt sich dabei auf kritische Staatstheorie, politische Ökologie und politische Ökonomie. Seine Forschung konzentriert sich auf Entwicklungen im Bereich grüner Wasserstoff in Chile und umkämpfte Rohstoffpolitik in Kolumbien.
Julia Sachseder ist Forschungsleiterin des ClimPeace-Projekts am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien und Gastprofessorin am Department of Gender Studies der Central European University. In ihrer Forschung untersucht sie die Schnittstellen von Geschlecht, politischer Ökonomie und Kolonialität in der Entstehung und Transformation von Gewalt und Sicherheit gegenüber Menschen und nicht-menschlichen Lebewesen. Zudem befasst sie sich mit der Rolle staatlicher, privater und unternehmerischer Akteure in Friedens- und Konfliktkontexten, insbesondere in Lateinamerika mit Schwerpunkt Kolumbien und Europa.
Veranstaltung in Kooperation mit: Österreichisches Lateinamerika-Institut, Internationale Entwicklung/Universität Wien, Forschungsgruppe Lateinamerika/Universität Wien, Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung ÖFSE, Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar DKA, Solidar Austria, ATTAC Österreich, AK Wien
Eine Anmeldung ist auch per Mail an office@lai.at möglich.
LINZ: Und am 12. Juni um 12:30 ist Fernando Jaramillo in Linz beim Hofgeflüster in der Hafnerstraße 2 bei Südwind zu Gast