Der Welttag für menschenwürdige Arbeit im Jahr 2022

Kein Anlass zu feiern, umso mehr müssen wir fordern

Von Elisabeth Kerndl

Wie lässt sich ein Welttag im besten Fall feiern? Eigentlich durch das Zelebrieren und Würdigen von  Errungenschaften. Doch im Jahr 2022 kann im Zuge des Welttags für menschenwürdige Arbeit am 7. Oktober nicht von globalen beschäftigungspolitischen Verbesserungen berichtet werden. Anstelle dessen müssen, angesichts der Zunahme von moderner Sklaverei und wachsender Lohnungerechtigkeit die Apelle menschenwürdige Arbeit weltweit für alle Menschen durchzusetzen, lauter, stärker, breiter und somit durchsetzungsfähiger werden.

Seit wann gibt es diesen Welttag und warum?

Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) rief den Welttag im Zuge seiner Neugründung im Jahr 2006 als Internationalen Tag für Gute Arbeit ins Leben. Tatsächlich begangen wurde er erstmals im Jahr 2008. Seitdem nützen die Gewerkschaftsbewegungen weltweit diesen Tag als Anlass zum Appell an politische Entscheidungsträger:innen und Wirtschaftstreibende als auch an die Beschäftigten zur Durchsetzung menschenwürdiger Arbeit für alle Menschen weltweit.

Laut dem IGB umfasst eine menschenwürdige Arbeitswelt wie folgt:

  • Das Verbot von Kinderarbeit
  • Das Ende der Benachteiligungen von Frauen am Arbeitsplatz
  • Das Verbessern qualitativ hochwertiger öffentlicher Dienste
  • Umweltschutz
  • Hinreichender Arbeitsschutz für die Beschäftigten
  • Angemessene soziale Sicherung

Moderne Sklaverei nimmt zu

Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO), die internationale Menschenrechtsorganisation Walk Free und die Internationale Organisation for Migration (IOM) veröffentlichten im September 2022 einen Bericht über die Entwicklung von moderner Sklaverei, die Zwangsarbeit und Zwangsheirat beinhaltet. Dieser zeigt, dass beide Formen dieser eklatanten Menschenrechtsverletzungen ansteigen.  

Rund 50 Millionen Menschen lebten 2021 in moderner Sklaverei. Davon waren 27,6 Millionen von Zwangsarbeit betroffen, 22 Millionen waren in Zwangsehen gefangen, oder anders ausgedrückt, jede 150. Person auf dieser Welt ist davon betroffen. Im Vergleich weltweiter Schätzungen nahm die Anzahl von moderner Sklaverei Betroffenen seit 2016 bis 2021 um 10 Millionen Menschen signifikant zu. Bestehend bleibt, dass Frauen und Kinder besonders stark gefährdet sind. Der Mythos, dass moderne Sklaverei nur in Ländern des globalen Südens vorkäme, ist falsch, stattdessen findet sie sich in den meisten Ländern der Welt wieder, über die verschiedenen ethischen, kulturellen und religiösen Bräuche hinweg. Stattdessen kamen die Hälfte der Falle von Zwangsarbeit und ein Viertel der Fälle von Zwangsheirat in Ländern mit mittleren oder hohem Einkommen finden.

Definiert wurde Zwangsheirat und Zwangsarbeit im Rahmen des Berichts als Situationen von Ausbeutung der sich eine Person nicht verwehren kann oder daraus fliehen kann, aufgrund von Drohungen, Gewalt, Betrug, Machtmissbrauch oder anderer Formen von Nötigung.

Zur Zwangsarbeit

Zumeist (86%) findet Zwangsarbeit in der Privatwirtschaft statt, und umfasst praktisch alle darin enthaltenen Bereiche. Frauen sind einem höheren Risiko ausgesetzt physische oder sexuelle Gewalt oder Drohungen gegen Familienmitglieder zu erleben. Zudem sind migrantische Arbeiter:innen dreimal so sehr gefährdet Zwangsarbeiter:in werden zu müssen. Zwangsarbeit im Bereich der erzwungenen kommerziellen sexuellen Ausbeutung macht 23% aus, ansonsten findet sie sich zu 63% in anderen Bereichen wieder. Fast vier von fünf von erzwungener kommerzieller sexueller Ausbeutung betroffenen sind Frauen und Mädchen. Auch Staaten können treibende Akteuren von Zwangsarbeit sein: Die restlichen 14% der insgesamt von Zwangsarbeit Betroffenen wurden von Staaten dazu verordnet. Beinahe jeder achte von Zwangsarbeit Betroffene ist ein Kind, insgesamt werden rund 3,3 Millionen betroffene Kinder geschätzt. Mehr als die Hälfte dieser Kinder werden kommerziell sexuell ausgebeutet.

Zur Zwangsheirat

Auch Zwangsheirat findet sich weltweit wieder. Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen, drei Viertel der Betroffenen sind unter 15 Jahre alt. Rund 22 Millionen Menschen lebten im Jahr 2021 in einer Zwangsehe, im Vergleich zu den Schätzungen von 2016 bedeutet dies eine Zunahme in der Höhe von 6,6 Millionen. Das Aufkommen von Zwangsheirat ist eng verknüpft mit patriarchalen Praktiken, jedoch im Kontext sehr divers. In mehr als 85% ist es der Fall, dass die Familie den Druck dafür ausübt. Regional kommt sie am meisten in Asien, dem Pazifik und in arabischen Staaten vor.

Reaktionen des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB)

Sharan Burrow, IGB-Generalsekretärin findet „diese Ergebnisse sind erschreckend. Es ist unvorstellbar, wie der Alltag dieser Menschen aussieht, und es ist unentschuldbar, dass diese Zahl immer weiter ansteigt.“ Doch sie findet auch positives darin, wie beispielsweise Handlungsanleitungen, um dagegen vorzugehen:  „Es gibt viele gute Empfehlungen in diesem Bericht, insbesondere die Erkenntnis, dass die Achtung der Vereinigungsfreiheit und des Rechts auf Tarifverhandlungen eine Voraussetzung für eine Welt ohne Zwangsarbeit ist. Außerdem wird ein universeller Sozialschutz empfohlen, der den Arbeitnehmern die Einkommenssicherheit gibt, die sie brauchen, um ihre Freiheit nicht durch moderne Sklaverei zu verlieren.“ Beides sind zentrale Bestandteile der IGB-Forderung nach einem Neuen Sozialvertrag, zusammen mit klimafreundlichen Arbeitsplätzen, Lohngerechtigkeit, Gleichberechtigung und Inklusion. „Wir brauchen jetzt einen Neuen Sozialvertrag, um die Macht auf die arbeitenden Menschen zu verlagern und damit zu beginnen, den Schaden der derzeitigen Wirtschaftsordnung, der zu diesem sich verschlimmernden globalen Skandal der modernen Sklaverei geführt hat, rückgängig zu machen“, so Burrow. Konkret fordert die IGB-Generalsekretärin dringend eine Sorgfaltspflicht für Unternehmen einzuführen, um den Einsatz von Zwangsarbeit und andere Verstöße in den Lieferketten zu unterbinden, und dass nationale Regierungen den Arbeitsmarkt durch strenge Vorschriften und Sanktionen regulieren.“

Lohngerechtigkeit als zentrale Forderung des Internationalen Gewerkschaftsbundes

Der IGB widmete den Welttag für Menschenwürdige Arbeit dieses Jahr jenen Beschäftigten, die sich für die Schaffung von Lohngerechtigkeit einsetzen. Die Notwendigkeit für diese Schwerpunktsetzung ist gegeben durch die hohe Inflation, welche durch profitorientierte und einflussstarke Unternehmen angetrieben wird, die den Markt von Energie-, Verkehr-, Lebensmittel- und anderer lebenswichtiger Güter kontrollieren. Ein Umstand der immer mehr Beschäftigte und deren Familien in die Armut treibt.

Zahlen, Daten und Hintergründe von Lohnungerechtigkeit

Weltweit haben mehr als die Hälfte der Haushalte Probleme sich finanziell über Wasser halten zu können. 10% der Haushalte ist es bereits unmöglich die Kosten für Wesentliches abzudecken. Ursachen wie die COVID-19-Pandemie und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine führen zu Einschränkungen bei den Lieferketten. Doch es gibt auch Unternehmen, die von diesen Krisen profitieren.

Bereits vor diesen Entwicklungen erfolgte jahrzehntelang ein Rückgang des Anteils den die arbeitende Bevölkerung am Wohlstand hat. Dessen Ursache ist wiederrum die Unterdrückung von gewerkschaftlichen Aktivitäten, insbesondere von Tarifverhandlungen. Dies führte dazu, dass die Beschäftigten bereits zuvor weniger erhielten als ihnen zustand. Obendrein sind die Höhen des Mindestlohns in den meisten Ländern der Welt unzureichend.

Lohngerechtigkeit ist ein wichtiger Eckpfeiler des Gesellschaftsvertrags zwischen Arbeitnehmer:innen, Regierungen und Arbeitgeber:innen, der aber zugunsten der Unternehmen gebrochen wurde. Werden diese Brüche von Regierungen bewusst unterstützt stellt dies eine Bedrohung der Demokratie dar, da die Unterdrückung von Gewerkschaften und ein Versagen in der Gewährleistung eines fairen Arbeitsrechts neue Höhen erreichen. 

Mit Beginn der Pandemie gibt es 573 neue Milliardäre, die 13,9 % des weltweiten BIP kontrollieren während täglich mehr als 700.000 Menschen in die Armut fallen.

Hinzukommend wird von einigen Wirtschaftswissenschaftler:innen, Zentralbänker:innen und konservativen Politiker:innen und Medien der Mythos bestärkt, dass die Inflation in irgendeiner Weise die Schuld der Beschäftigten sei und jede Einkommenserhöhung schlecht  für die Wirtschaft wäre, obwohl diese Behauptung schlichtweg falsch ist. Denn die Inflation in den wenigen Ländern mit automatischer Lohnindexierung liegt in etwa auf dem gleichen Niveau wie in vergleichbaren Ländern in denen Löhne nicht erhöht wurden.

Keine nachhaltige Verbesserungen ohne neuen Gesellschaftsvertrag

Den Arbeitnehmer:innen weltweit bleibt keine andere Wahl als zu streiken. Viele sind zudem einer gewaltsamen Unterdrückung durch Regierungen ausgesetzt, die den Interessen von Unternehmen gehorchen. Andere sind von der Drohung und dem tatsächlichen Verlust ihres Arbeitsplatzes ausgesetzt.

Fest steht, dass die internationale Gewerkschaftsbewegung geschlossen für Lohngerechtigkeit für alle Beschäftigen einsteht, sei es für formelle oder informelle Beschäftigte, egal in welchen Teil der Welt sie tätig sind oder welche Tätigkeit auch immer sie verrichten.

Einhergehend mit der Klimakrise, bewaffneter Konflikte und der Gier der Konzerne muss ein Wendepunkt eingeleitet werden durch welchen Regierungen akzeptieren die Interessen der Menschen in den Vordergrund zu stellen und sich nicht länger der Macht von Konzerneliten beugen.

Es braucht dringend einen neuen Gesellschaftsvertrag in dessen Zentrum die Lohngerechtigkeit stehen soll. Das bestehende weltweite Defizit von 575 Millionen Arbeitsplätze muss geschlossen werden, umso mehr sollen wesentliche Arbeitnehmer:innenrechte geachtet werden. Diskriminierung hat durch Gleichheit ersetzt zu werden, der soziale Schutz auf alle ausgedehnt und eine integrative Weltwirtschaft, die von den Überresten des Kolonialismus befreit ist, muss aufgebaut werden.

Das sind die Grundlagen die Frieden schaffen können, um die drängenden Herausforderungen unserer Zeit und jene der Zukunft bewältigen zu können.

Hinweis:
Anlässlich des Welttags für menschenwürdige Arbeit ist weltumspannend arbeiten bei den ÖGB-Bildungskonferenzen in Oberösterreich (6.10.) und Salzburg (7.10.) mit einem Informationsstand präsent.

Quellen:

Sozialminister Rauch trifft Palästinensische GewerkschafterInnen in Jerusalem

Bei einem Besuch in Jerusalem traf Bundesminister Johannes Rauch am 11. September 2022 VertreterInnen des Palästinensischen Gewerkschaftsbundes. Im Mittelpunkt der Gespräche stand das vom Sozialministerium unterstützte Projekt zur Ausarbeitung und Implementierung eines Sozialversicherungsgesetzes für Privatangestellte. Rund 70 % aller in der Privatwirtschaft Beschäftigten in Palästina sind nicht versichert und haben daher keinerlei sozialen Schutz. Das von weltumspannend arbeiten, dem entwicklungspolitischen Verein des ÖGB, durchgeführte Projekt möchte in Zusammenarbeit mit dem Palästinensischen Gewerkschaftsbund hier Abhilfe schaffen.

Minister Rauch hat sich nicht nur über die bisherigen Fortschritte erkundigt, sondern überlegt das Projekt auch weiterhin zu unterstützen. Neben der Sozialversicherung waren auch noch die Situation und Probleme der palästinensischen ArbeitnehmerInnen Themen der Unterredung.

Unser Spiel für Menschenrechte

Menschenrechte, globale Gerechtigkeit und Katar 2022

Von 21.11. bis 18.12.2022 findet die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Katar statt. Schon im Vorfeld wirft dieses Ereignis große Schatten, vor allem aus menschenrechtlicher Sicht. So kommt es in Katar zu gravierenden Verletzungen der Arbeitsrechte, aber auch der Frauen- und Kinderrechte.

Unter dem Slogan Unser Spiel für Menschenrechte treten wir gemeinsam mit einer Allianz an zivilgesellschaftlichen Akteur*innen für einen Sport ein, der die Menschenrechte schützt und achtet. Die öffentlichkeits- und breitenwirksamen Potenziale des Sports werden genützt, um aktiv und partnerschaftlich zur Realisierung von Menschenrechten und globaler Gerechtigkeit beizutragen.

Dialog und Bildungsarbeit

Maßgeblich koordiniert von der fairplay Initiative im VIDC wird es eine Podiumsdiskussion in der Veranstaltungsreihe Club 2×11 in der Hauptbücherei Wien geben, zusätzlich wird eine Speakers Tour durch die Bundesländer über die Situation der betroffenen Arbeiter*innen vor Ort informieren. Unter dem Titel Cup der Menschenrechte wird mit der Diaspora aus jenen Nationen, die auch in Katar im Zuge von Arbeitsmigration vertreten sind, ein Fußballturnier organisiert. Die größten Migrant*innen-Communities in dem Emirat kommen aus Indien, Bangladesch, Nepal und Ägypten. Mit dabei sind Testimonials aus der Welt des Sports. 
Die fairplay Aktionswochen im Oktober 2022, bei denen sämtliche Vereine der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga der Männer sowie der Frauen-Bundesliga teilnehmen, sollen unter dem Titel „Unser Spiel für Menschenrechte“ stehen. Im Rahmen des Filmfestivals this human world wird es im Herbst 2022 einen Schwerpunkt auf Sport und Menschenrechte geben. Gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Partner*innen werden Workshops für Jugendliche und junge Erwachsene (darunter auch Lehrlinge) angeboten, die gezielt Sport, Arbeits-, Kinder-, Frauen- sowie LGBTQI+ Rechte und globale Gerechtigkeit zum Inhalt haben.

Kooperationspartner*innen

fairplay Initiative
Südwind
Frauen*solidarität
Österreichische Liga für Menschenrechte
Vereinigung der Fußballer (VdF)
this human world
Weltumspannend arbeiten (ÖGB)
radio FM4

Die Initiative wird maßgeblich gefördert von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (Austrian Development Agency, ADA).

Zentrale Homepage: unserspiel.at

Das Südliche Afrika, die Welt und ich

Webinar- und Seminarangebote im Rahmen des Dialogprojekts “Begegnung südliches Afrika – Leben und Arbeit global gedacht” (SADOCC/GPA)

Einführungsworkshops (24. & 30. Mai 2022, online)

Wo genau liegen eigentlich Südafrika, Moçambique, Namibia und Zimbabwe? Was zeichnet ihre Gesellschaft, Geschichte und derzeitige politische Landschaft aus? Wie kommt es, dass das südliche Afrika so viel mehr von sozialer Ungleichheit und ökonomischen Krisen betroffen ist? Welche kolonialen Strukturen prägen die Region noch immer?

Immer mehr Menschen bezeichnen sich als Weltbürger:innen – doch was bedeutet das eigentlich wirklich? Warum ist es so wichtig “über den Tellerrand hinaus zu schauen”? Wo sehen wir in unserer Weltgesellschaft Privilegien? Wie können wir interkulturell respektvoll und auf Augenhöhe kommunizieren? Und was sollten wir in Sprache und Bildern über andere beachten?

All diese Fragen thematisieren die zwei digitalen Einführungsworkshops zum Dialogprojekt “Begegnung südliches Afrika – Leben und Arbeit global gedacht” am 24.05.2022 von 17.00 – 19.30 Uhr und 30.05.2022 von 17.00 – 19.30 Uhr (mehr Infos & Anmeldemöglichkeit)


SEMINAR: Billiger Wein mit bitterem Nachgeschmack (21. Juni 2022, Leibnitz)

Thema: Weinbau und -handel in und mit Südafrika

Termin:

21. Juni 2022, 13-17 Uhr

Ort:

Wein- & Obstbauschule Silberberg, Leibnitz (Steiermark)

Mehr Infos & Anmeldemöglichkeit

Neues Webinar-Angebot: Für ein globales Fair Play!

Im Rahmen der Initiative „Unser Spiel für Menschenrechte“

Mit der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Katar (21. Nov. – 18. Dez. 2022) ist die Frage von Arbeits- und Menschenrechten im Rahmen von sportlichen Großereignissen wieder ins Zentrum gerückt. Die tragischen Todesfälle von hunderten Arbeitern auf den WM-Baustellen führten zu einem Aufschrei in Medien und Gesellschaft.

Wir wollen dies zum Anlass nehmen, um im Rahmen dieses Webinars die globalen Auswirkungen von Sportgroßereignissen zu beleuchten und blicken hinter die Kulissen der internationalen Sportindustrie, die den Sport selbst immer stärker in den Hintergrund treten lässt. Unter dem Motto
„Für ein globales Fair Play! – Unser Spiel für Menschrechte!“ zeigen wir Alternativen auf, wie die öffentlichkeits- und breitenwirksamen Potentiale des Sports genutzt werden können, um aktiv zur Realisierung von Menschenrechten und globaler Gerechtigkeit beizutragen.

Referent:        Mag. Michael Wögerer (Projektleiter bei weltumspannend arbeiten)

Kooperationspartner:            fairplay-Initiative (www.fairplay.or.at)

Kontakt & Rückfragen:           weltumspannend arbeiten (michael.woegerer@oegb.at, 0664/2838491)

Begegnung südliches Afrika: Arbeit und Leben global gedacht

Gemeinsam mit dem Dokumentations- und Kooperationszentrum Südliches Afrika (SADOCC) startet die Gewerkschaft GPA ab April das Weiterbildungs- und Dialogprojekt “Begegnung südliches Afrika. Arbeit und Leben global gedacht”, in dem sich GewerkschafterInnen, AktivistInnen sowie politisch Interessierte aus Österreich, Südafrika, Namibia, Zimbabwe und Mozambique zu Arbeits- und Lebensbedingungen austauschen und sich gemeinsam der Frage stellen: Wie schaffen wir global mehr soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit?

In Seminaren und interaktiven Workshops von ExpertInnen und lokalen AktivistInnen werden anhand von konkreten Fallbeispielen in den drei Themenfeldern Weinbau und –handel, Platin- und Rohstoffabbau sowie informelle Beschäftigung Zusammenhänge zwischen internationalem Handel, kolonialer Vergangenheit und regionalen Arbeits- und Lebensbedingungen aufgezeigt. Aber auch bestehende Gegeninitiativen werden besprochen.

Feierlicher Auftakt mit Heinz Fischer und diversen ReferentInnen

Zum feierlichen Auftakt zum Projekt laden GPA und SADOCC am Montag, 28.03.2022 ab 15 Uhr ein. Neben Grußworten von RednerInnen wie Altbundespräsident Heinz Fischer wird es diverse Kurzvorträge und Interviews von ExpertInnen und lokalen ProjektpartnerInnen geben. Im Open Space können sich die BesucherInnen detaillierter zu den Schwerpunktthemen informieren und in den Austausch kommen. Für das Wohlergehen ist außerdem mit simbabwischer Musik, südafrikanischem Wein und Snacks gesorgt.

Mitmachen

Das Projekt richtet sich an alle, die Interesse haben, sich neben ihrem Alltag weiterzubilden, über den Tellerrand zu schauen und hinter die Kulissen von Lieferketten zu schauen. Die Teilnahme ist kostenlos. Vorwissen und besondere Kenntnisse werden nicht benötigt, Englischkenntnisse sind jedoch von Vorteil. Beim Besuch von zwei Seminaren kann ein Teilnahmezertifikat ausgestellt werden.

Interesse? Hier kann man sich weiter informieren und für das Projekt und die Auftaktveranstaltung anmelden: oder per Mail an dialogprojekt@sadocc.at

ILO und Katar sorgen für neue Ära der Transparenz zugunsten der Arbeitnehmerrechte

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die Regierung Katars haben einen neuen Bericht über Arbeitsschutzbestimmungen für Arbeitskräfte in Katar veröffentlicht, der eine größere Offenheit und Transparenz zugunsten der Arbeitnehmerrechte widerspiegelt.

Der Bericht verdeutlicht neue Fortschritte seit der Einführung eines modernen Arbeitsbeziehungssystems in Katar, das u.a. Folgendes beinhaltet:

  • einen nicht diskriminierenden Mindestlohn für alle Beschäftigten, so dass 13% der Arbeitskräfte in Katar seit März 2021 höhere Löhne erhalten. Die Mindestlohnkommission wird 2022 eine evidenzbasierte Überprüfung des Mindestlohns vornehmen.
  • die Beendigung des Kafala-Systems durch die Abschaffung der Ausreisevisa und die Möglichkeit eines Arbeitsplatzwechsels für 242.870 Arbeitskräfte ohne die Genehmigung ihres Arbeitgebers zwischen dem 1. Oktober 2020 und dem 31. Oktober 2021.
  • Arbeitsgerichte, die Beschwerden im Zusammenhang mit der Nichtzahlung der Löhne und skrupellosen Arbeitgebern behandeln, einschließlich eines Unterstützungs- und Versicherungsfonds für Arbeitskräfte.
  • Hausangestellte erhalten einen standardisierten Arbeitsvertrag und eine Lohnabrechnung von ihren Arbeitgebern.
  • Gewählte Arbeitnehmerausschüsse behandeln Beschwerden auf betrieblicher Ebene, und in Sektoren wie dem Gastgewerbe, der Bauindustrie, der Sicherheitsbranche und dem Verkehrswesen wurden paritätische Ausschüsse gewählt.

“Der soziale Dialog zwischen Arbeitnehmern, Regierung und Arbeitgebern hat Katar bei seinen Arbeitsrechtsreformen als Muster gedient. Dies ist die Grundlage für die Beilegung von Arbeitnehmerbeschwerden und ein Standard für die Arbeitsbeziehungen in der gesamten Golfregion. Katars Arbeitsgesetze haben der Prüfung durch internationale Gewerkschaften standgehalten.

Ein Jahr vor der Fußballweltmeisterschaft in Katar stehen die Arbeitgeber nun auf dem Prüfstand, wenn es darum geht, ob sie die Gesetze zum Schutz der Arbeitnehmerrechte in Katar einhalten. Arbeitnehmerrechtsverletzungen können jetzt durch einen Dialog mit dem Arbeitsministerium oder über die Arbeitsgerichte geklärt werden. Skrupellose Arbeitgeber können sich nicht mehr verstecken ”, erklärt IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow.

Gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der Arbeitskräfte vor Hitzestress vom Mai 2021, mit denen die Zeiten, in denen nicht gearbeitet werden darf, ausgeweitet wurden, und die im Jahr 2019 durchgeführte größte weltweite Untersuchung über Hitzestress bilden eine klare Basis für die Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen am Arbeitsplatz. Die ILO-Analyse arbeitsbedingter Verletzungen in Katar und das hohe Maß an Transparenz seitens der katarischen Regierung sind ein Vorbild, an dem andere Länder gemessen werden können.

“Niemand geht zur Arbeit und rechnet damit, nicht wieder nach Hause zu gehen. Dass der Arbeitsschutz nicht als Arbeitnehmerrecht anerkannt wird, ist ein globaler Skandal. In Katar werden Fortschritte erzielt, von transparenten Daten, aus denen Gefahren für die Beschäftigten hervorgehen, bis hin zu praktischen Empfehlungen nicht nur zur Schulung der Arbeitskräfte mit Blick auf Gefahren, sondern auch zur Vollstreckung der Strafen für Arbeitgeber, die sich nicht an die Regeln halten. Dass in Katar jetzt offen über Unfälle berichtet wird, untermauert solide Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz”, so Burrow.

Katars Arbeitsgesetze sind in der innerstaatlichen Gesetzgebung verankert, und obwohl die Arbeitskräfte jetzt über Rechte und Schutzmaßnahmen verfügen, werden die Inkraftsetzung und die Überprüfung im Vorfeld der Fußball-WM angesichts neu aufgedeckter Arbeitnehmerrechtsverletzungen die Gesetze weiterhin auf die Probe stellen.

“Es werden nach wie vor ausländische Arbeitskräfte nach Katar vermittelt, und wir werden nicht zulassen, dass dafür gesetzwidrige Gebühren erhoben werden. Die Arbeitgeber sollten gewarnt sein, dass diejenigen, die die gesetzlichen Bestimmungen ignorieren und rechtswidrige Vermittlungsgebühren verlangen, strafrechtlich verfolgt werden. Die Kultur der Straffreiheit für Arbeitgeber, die die neuen Arbeitsgesetze missachten, geht zu Ende. Die Arbeitskräfte in Katar verfügen über Rechte und Schutzmaßnahmen im Einklang mit internationalen Normen, die durch die Arbeitsgerichte gewahrt werden. Es wird Angst geschürt, um Beschäftigte einzuschüchtern und die mit Gewerkschaften und der Internationalen Arbeitsorganisation ausgehandelten Arbeitsgesetze zu diskreditieren. Die Gesetze sind vorhanden, jetzt müssen sie dazu genutzt werden, um die Arbeitnehmerrechte zu schützen und Missstände zu beseitigen”, fordert Sharan Burrow.

VIDEO: Industrie – gestern, heute, morgen?

Die Globalisierung hat für Deindustrialisierung in manchen Ländern Europas und für den Aufbau industrieller Produktionskapazitäten in anderen Teilen der Welt gesorgt (z.B. China als „Werkbank der Welt“). Bei der Veranstaltung „Nachgefragt: Industrie – gestern, heute, morgen?“ am Mittwoch (3.11.) im Museum Arbeitswelt in Steyr wurde über die Bedeutung von Industrie für eine Gesellschaft gesprochen. Historiker Prof. Lutz Raphael beleuchtete Deindustrialisierung in der jüngeren europäischen Industriegeschichte, Julia Eder sprach über Ausgangslage, Herausforderungen und Chancen der österreichischen Industrie. Anschließend diskutierten die beiden über Zukunftsvisionen für die Industrie mit dem Nationalratsabgeordneten Alois Stöger und dem frisch zum Steyrer Bürgermeister gewählten Markus Vogl (SPÖ).

Tausende erhobene Hände gegen Kinderarbeit

Initiative „Kinderarbeit stoppen!“ ersucht Justizministerin Zadić um Unterstützung: Gesetzlich verbindliche Maßnahmen notwendig, um Ausbeutung von Kindern zu bekämpfen.

Stundenlang gebückt schuften, dabei Staub und toxische Pestizide einatmen, schwere Kakaosäcke schleppen oder in engen, metertiefen Bergwerksschächten das Leben aufs Spiel setzen: Laut neu veröffentlichter Zahlen von UNICEF und ILO sind weltweit rund 160 Millionen Kinder von Kinderarbeit betroffen, weitere 9 Millionen könnten aufgrund der Corona Pandemie bis 2022 dazukommen. Im internationalen Jahr gegen Kinderarbeit fordert die Initiative „Kinderarbeit stoppen“ ein entschiedenes Handeln der politischen Verantwortlichen und hat dazu heute über 2.300 Unterstützungsbotschaften an Justizministerin Alma Zadić übergeben.

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2021 zum internationalen Jahr zur Beseitigung von Kinderarbeit erklärt. Ziel ist es, im Rahmen der nachhaltigen Entwicklungsagenda Kinderarbeit bis zum Jahr 2025 vollständig abzuschaffen. Mit der internationalen Staatengemeinschaft hat sich auch Österreich dazu verpflichtet.

Gespräch mit Justizministerin Alma Zadić, u.a. mit Michael Wögerer, Projektleiter von weltumspannend arbeiten (Foto: Martin Gröbner)

Ein breites Bündnis rund um die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, FAIRTRADE Österreich, weltumspannend arbeiten (ÖGB), Jugend Eine Welt und die Kindernothilfe Österreich hat deshalb im Rahmen der Initiative „Kinderarbeit stoppen!“ dazu aufgerufen, aktiv zu werden: „Du hast es in der Hand – gemeinsam Kinderarbeit stoppen“. Menschen aus aller Welt zeigen symbolisch ihre Hand gegen Kinderarbeit und fordern die Politik zum Handeln auf. Die Mitmachaktion läuft noch bis Mitte Juli.

Als Zwischenetappe konnten heute über 2.300 Einsendungen an Justizministerin Zadić mit der Forderung, Kinderarbeit wirkungsvoll zu bekämpfen, übergeben werden. Begleitet von Kindern, die sich bereits im Vorfeld mit dem ernsten Thema auseinandergesetzt hatten, unterstrichen die Vertreter/innen vom Bündnis „Kinderarbeit stoppen” ihre zentralen Anliegen. Neben konkreter Unterstützung ärmerer Länder und dem Verzicht auf Produkte, in denen Kinderarbeit steckt, ist dies vor allem die gesetzlich verbindliche Verankerung von arbeits- und menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten entlang der globalen Lieferketten.

Kinderarbeit ist trauriger Alltag

„Ich musste arbeiten, weil meine Eltern die Schule sonst nicht bezahlen konnten. In der Schule war ich dann oft zu müde, weil ich so viele Stunden arbeiten musste“, erzählt ein ehemaliger Kinderarbeiter auf den Plantagen von Sambia.

„Wir gehen jetzt täglich mit meiner Mutter zur Arbeit. Sie ist Maurergehilfin und ich arbeite mit ihr. Wir nehmen auch meinen achtjährigen Bruder mit, weil er nicht alleine zu Hause bleiben kann“, erzählt ein zehnjähriges Mädchen aus Guatemala.

Kinderarbeit prägt noch immer den Alltag vieler Familien aus Ländern, die mit Armut zu kämpfen haben. Die COVID-Pandemie hat die Lage noch verschärft. Eine neu veröffentlichte Studie der Österreichischen Forschungsstiftung für Entwicklung (ÖFSE) beleuchtet die globale Kakao- und Schokoladenwertschöpfungskette und zeigt: Auch die süßen Versuchungen in heimischen Supermärkten sind keineswegs frei von Kinderarbeit. Die Studie macht deutlich, dass es dringend weitergehender Bemühungen in Kooperation zwischen Unternehmen, Zivilgesellschaft und Politik bedarf, um Kinderarbeit in globalen Produktionsketten zu verhindern.

In Europa werden Unternehmen für die weltweite Rohstoffgewinnung und Produktion immer mehr in die Verantwortung genommen: In Deutschland hat sich die Bundesregierung auf einen gemeinsamen Entwurf für ein Lieferkettengesetz geeinigt. Dieses wird heute, Freitag, im Plenum des Deutschen Bundestags behandelt und soll noch vor den Wahlen im September beschlossen werden. Dem österreichischen Nationalrat liegt ebenso ein Entschließungsantrag für ein solches Gesetz vor.

Große Dynamik ist auch von einem Vorstoß auf EU-Ebene zu erwarten: Die Kommission will noch im Jahr 2021 einen Vorschlag für ein sektorübergreifendes Lieferkettengesetz einbringen. Das Europäische Parlament hat bereits im Februar 2021 Vorschläge für eine Richtlinie und Verordnungsänderungen vorgelegt.